Mitte September erreichte mich eine Anfrage für ein unbezahltes sechswöchiges Pflichtpraktikum im Rahmen des Politikstudiumsper Mail. Der Student hatte einen Namen, der erkennbar auf eine nicht deutsche Herkunft hinwies. Die CDU- Fraktion bietet solche Praktikumsplätze an. Ich fragte dort nach, ob dem Studenten geholfen werden könne und bekam die Auskunft, dass dort eine nahezu wortgleiche Anfrage ebenfalls mit einem ausländisch klingenden Namen eingegangen war. Ich wies „meinen“ Studenten auf dieMöglichkeit hin, sich bei der Fraktion zu bewerben und hörte nichts mehr von ihm – bis ich Mitte Oktober eine weitere Mail bekam.
Absender war ein Dr. Jens Hellmann vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der UNI Bielefeld. Dieser schrieb mir: „Sie haben im September dieses Jahres an Ihre Mailadresse eine Anfrage erhalten, in der sich ein junger Mensch vermeintlich für ein Praktikum bei Ihnen interessiert hatte. Die Senderin bzw. der Sender der Mail hatte einen Namen, der entweder auf eine deutsche (Achim Günther, Julia Günther, Alexander Dahnhoff) oder eine nicht-deutsche Herkunft schließen ließ (Ahmet Güler, Akeem Gumbwa, Hüliya Güler, Alexej Danowitsch)… In Wirklichkeit existieren diese Personen so nicht.“
Soweit die Aufklärung.
Dann folgte die Erklärung: „Im Rahmen eines vom Bundesministerium des Innern und für Heimat geförderten Forschungsprojektshaben wir entsprechende Anfragen erstellt und an alle Abgeordneten Ihres Landtags per E-Mail verschickt, um Rücklaufraten auszählen zukönnen. Es ging uns also um das Erheben von Hilfeleistungen bzw. sogenannter prosozialer Handlungen. Hierbei könnte es zu möglichen Ungleichbehandlungen aufgrund einer (vermuteten) Herkunft des Absenders der E-Mail kommen.“
Mit anderen Worten: Mit Hilfe der Wissenschaft lässt Bundesinnenministerin Nancy Feser (SPD) Mitglieder der Landtage verdeckt ausspionieren und schnüffelt deren vermeintlicher Gesinnung hinterher.
Der Präsident des Landtages von Nordrhein-Westfalen, André Kuper (CDU) wies in einem Brief an die Universität Bielefeld mit deutlichen Worten auf den Unmut der NRW- Abgeordneten über die Methodik der Studie hin: „Es gibt großes Unbehagen und Verärgerung über die Art und Weise des Forschungsprojekts im Umgang mit
Parlamentarierinnen und Parlamentariern, aber auch mit dem Verfassungsorgan Landtag.“
Dem ist nichts hinzuzufügen, außer: Ich hätte mich über ein ähnliches Schreiben von meiner Landtagspräsidentin, Prof. Dr. Ulrike Liedke (SPD), sehr gefreut.